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AutomatisierungVon Johanna Neuron

KI-Agent vs. RPA: Was passt zu welchem Prozess?

KI-Automatisierung im Unternehmen implementieren

RPA (Robotic Process Automation) arbeitet feste Regeln ab und klickt sich dafür durch Programme wie ein Mensch. Ein KI-Agent versteht dagegen Inhalte wie eine frei formulierte E-Mail oder eine unbekannte Rechnung und entscheidet innerhalb der Grenzen, die du ihm setzt. Für stabile, strukturierte Abläufe mit klaren Regeln reicht RPA. Sobald Texte, Dokumente oder Ausnahmen im Spiel sind, ist ein KI-Agent meist die bessere Wahl, und oft ist die Kombination aus beidem am stärksten.

Was ist RPA?

RPA steht für Robotic Process Automation. Ein Software-Roboter bildet Arbeitsschritte nach, die sonst ein Mensch am Bildschirm erledigt: Programm öffnen, Feld anklicken, Wert kopieren, in ein anderes Programm einfügen, speichern. Die Schritte werden vorher genau festgelegt, oft per Aufzeichnung oder in einem grafischen Editor.

RPA ist stark, wenn ein Ablauf immer gleich aussieht. Typisch sind Datenübertragungen zwischen zwei Programmen ohne Schnittstelle, Massenänderungen in Stammdaten oder regelmäßige Berichte. Schwierig wird es, wenn sich Eingaben unterscheiden. Ein RPA-Bot weiß nicht, was in einer E-Mail steht. Er kann nur Felder an festen Positionen lesen.

Was ist ein KI-Agent?

Ein KI-Agent ist ein digitaler Kollege, der einen Ablauf von Anfang bis Ende übernimmt. Er nutzt ein Sprachmodell, um Inhalte zu verstehen: Was will der Kunde? Welche Rechnungsnummer steht in diesem PDF, auch wenn das Layout neu ist? Passt der Betrag zur Bestellung? Dann arbeitet er über Schnittstellen in deinen Programmen weiter, zum Beispiel in Outlook, DATEV, SAP oder deinem Shop.

Wichtig ist der Rahmen. Ein guter KI-Agent entscheidet nicht frei, sondern innerhalb klarer Regeln: Was darf er allein, wo gibt ein Mensch frei, was landet als Ausnahme beim Team. Jeder Schritt wird protokolliert. Wie wir das umsetzen, steht auf unserer Seite zur KI-Automatisierung.

Was bedeutet Agentic Automation?

Agentic Automation ist der Sammelbegriff für Automatisierung mit KI-Agenten. Statt jeden Klick vorzugeben, beschreibst du das Ziel und die Regeln. Der Agent plant die Schritte selbst, holt fehlende Infos aus deinen Systemen und meldet sich, wenn er unsicher ist. Viele RPA-Anbieter erweitern ihre Produkte inzwischen um solche KI-Funktionen. Die Grenze zwischen beiden Welten wird dadurch fließender, der Grundunterschied bleibt aber: Regeln abarbeiten oder Inhalte verstehen.

KI-Agent vs. RPA im Vergleich

RPA KI-Agent
Funktionsweise arbeitet fest vorgegebene Klick- und Regelfolgen ab versteht Inhalte, plant Schritte und handelt innerhalb festgelegter Regeln
Unstrukturierte Daten kaum: braucht feste Felder und Formate ja: E-Mails, PDFs, Scans, Freitext, wechselnde Layouts
Änderungen an Oberflächen anfällig: neue Buttons oder Felder können den Bot stoppen arbeitet meist über Schnittstellen und ist dadurch weniger abhängig von der Oberfläche
Ausnahmen bricht ab oder braucht eine eigene Regel je Ausnahme erkennt Abweichungen und leitet sie mit Begründung an einen Menschen weiter
Wartung Pflege bei jeder Änderung an Programm oder Ablauf Pflege von Regeln, Wissen und Schnittstellen, Qualität laufend überwachen
Kosten Lizenzen der RPA-Plattform plus Einrichtung pro Bot Einrichtung plus Betrieb und Modellkosten je nach Datenmenge
Kontrolle und Nachvollziehbarkeit sehr gut: jeder Schritt ist fest definiert und wiederholbar gut, wenn sauber gebaut: Protokoll jedes Schritts, Freigaben, Begründungen
Ergebnis bei gleicher Eingabe immer gleich sehr ähnlich, aber nicht garantiert identisch, deshalb Prüfregeln und Freigaben

Der letzte Punkt ist wichtig. RPA ist deterministisch: gleiche Eingabe, gleiches Ergebnis. Ein KI-Agent nutzt ein Sprachmodell und kann sich in Grenzfällen unterschiedlich verhalten. Deshalb gehören Prüfregeln dazu, zum Beispiel ein Abgleich mit der Bestellung, bevor etwas gebucht wird, und eine Freigabe durch einen Menschen dort, wo es zählt.

Ein Beispiel: dieselbe Rechnung, zwei Ansätze

Stell dir vor, eine Lieferantenrechnung kommt als PDF per E-Mail.

Mit RPA: Der Bot öffnet das Postfach, speichert den Anhang und liest die Rechnungsnummer, den Betrag und das Datum an fest definierten Stellen im Dokument aus. Das klappt, solange der Lieferant sein Layout nicht ändert. Schickt ein neuer Lieferant eine Rechnung mit anderem Aufbau, steht die Rechnungsnummer an einer anderen Stelle. Der Bot liest dann ein falsches Feld oder bricht ab, und jemand muss eine neue Regel anlegen.

Mit einem KI-Agenten: Der Agent liest das PDF wie ein Mensch. Er erkennt Rechnungsnummer, Betrag, Steuer und Positionen auch bei einem unbekannten Layout, gleicht sie mit der Bestellung ab und schlägt die Kontierung vor. Passt etwas nicht, etwa ein abweichender Betrag, landet die Rechnung mit einer kurzen Begründung bei deinem Team. Alles andere ist zur Freigabe vorbereitet.

Der Unterschied liegt also nicht darin, ob automatisiert wird, sondern wie viele Sonderfälle die Automatisierung selbst bewältigt und wie viel Pflege sie braucht.

Entscheidungshilfe: RPA oder KI?

Geh die Fragen der Reihe nach durch. Schon die ersten zwei geben meist die Richtung vor.

  1. Sehen die Eingaben immer gleich aus? Feste Masken, feste Dateiformate, gleiche Felder: RPA oder eine einfache Regel-Automatisierung reicht oft. Wechselnde Layouts, Freitext oder Scans: KI-Agent.
  2. Muss jemand etwas verstehen oder abwägen? Wenn ein Mensch heute liest, einordnet oder entscheidet, ob etwas plausibel ist, braucht es KI.
  3. Wie viele Ausnahmen gibt es? Wenige und bekannte Ausnahmen lassen sich als Regeln abbilden. Viele unterschiedliche Sonderfälle sind ein klares Zeichen für einen KI-Agenten.
  4. Gibt es Schnittstellen? Wenn ein altes Programm keine Schnittstelle hat, kann RPA die Brücke sein. Ein KI-Agent kann dann die Inhalte verstehen und RPA die Eingabe erledigen.
  5. Wie oft ändert sich die Oberfläche? Häufige Updates an Webportalen oder Programmen machen RPA-Bots pflegeintensiv.
  6. Muss das Ergebnis bei gleicher Eingabe immer identisch sein? Bei streng regelbasierten Buchungen oder Berechnungen gehört dieser Teil in feste Regeln. Die KI übernimmt dann das Lesen und Vorbereiten.
  7. Wie hoch ist das Volumen? Bei sehr seltenen Abläufen lohnt sich keine der beiden Lösungen. Bei häufigen Abläufen rechnet sich die Automatisierung schnell. Eine Beispielrechnung findest du in Was kostet KI-Automatisierung?

Typische Abläufe und was dazu passt

Ablauf Besser geeignet Warum
Eingangsrechnungen lesen und vorkontieren KI-Agent wechselnde Layouts, Abgleich mit Bestellung, Ausnahmen
Kundenanfragen per E-Mail beantworten KI-Agent Freitext, Anliegen erkennen, Antwort im passenden Ton
Lieferscheine, Verträge und Formulare auswerten KI-Agent viele Dokumentarten, Inhalte verstehen
Angebote aus Anfragen erstellen KI-Agent Anfrage verstehen, passende Positionen finden
Daten aus Tabelle A nach Programm B übertragen RPA oder Regel-Automatisierung feste Struktur, keine Interpretation nötig
Monatliche Standardberichte erstellen RPA oder Regel-Automatisierung immer gleiche Schritte
Stammdaten massenhaft ändern RPA klare Regel, viele gleiche Vorgänge

Wie solche KI-Agenten konkret aussehen, zeigen unsere Lösungsseiten zur Rechnungsverarbeitung mit KI, zur E-Mail-Automatisierung und zur Dokumentenverarbeitung mit KI.

Die Kombination: KI versteht, Regeln führen aus

In der Praxis ist die Frage selten „entweder oder“. Die stärksten Lösungen teilen die Arbeit auf:

  1. Der KI-Agent liest und versteht: Er erkennt in einer E-Mail das Anliegen, zieht aus einem PDF die relevanten Daten und prüft, ob sie plausibel sind.
  2. Feste Regeln prüfen: Beträge, Steuersätze, Kontonummern oder Lieferantennummern werden mit klaren Regeln gegen deine Stammdaten geprüft.
  3. Die Ausführung läuft regelbasiert: Buchen, Ablegen, Daten übertragen erfolgt über Schnittstellen oder, wo es keine gibt, über einen RPA-Bot.
  4. Ein Mensch gibt frei, wo es nötig ist: Unsichere Fälle landen mit allen Infos beim Team, statt einfach durchzulaufen.

Wenn du schon RPA im Einsatz hast, musst du nichts wegwerfen. Oft lässt sich ein KI-Agent vor bestehende Bots schalten, damit sie auch mit unstrukturierten Eingaben zurechtkommen.

Und was ist mit Zapier und Make?

Zapier, Make und ähnliche Tools verbinden Programme nach festen Regeln: Wenn in Programm A etwas passiert, mach in Programm B etwas. Anders als klassisches RPA arbeiten sie über Schnittstellen statt über die Oberfläche. Dadurch sind sie stabiler, funktionieren aber nur mit Programmen, die eine Schnittstelle anbieten.

Inhaltlich gilt dasselbe wie bei RPA: Sie führen Regeln aus, verstehen aber keine Inhalte. Ein KI-Agent versteht zusätzlich eine Rechnung oder eine frei formulierte E-Mail und kann entscheiden. Viele dieser Tools bieten inzwischen KI-Bausteine an. Für einfache Fälle reicht das. Sobald ein Ablauf mehrere Systeme, eigene Prüfregeln, Freigaben und ein sauberes Protokoll braucht, stoßen sie an Grenzen. Wo feste Regeln reichen, nutzen wir solche Tools auch selbst.

Worauf du bei der Einführung achten solltest

  1. Mit einem klaren Ablauf starten: Nimm einen häufigen, gut abgegrenzten Ablauf und miss vorher, wie lange er heute dauert.
  2. Kontrolle von Anfang an planen: Lege fest, was automatisch laufen darf und wo ein Mensch freigibt. Bei KI-Agenten ist das Pflicht, bei RPA ebenfalls sinnvoll.
  3. Protokolle einfordern: Jeder Schritt sollte nachvollziehbar sein, gerade für Buchhaltung und Datenschutz.
  4. Datenqualität prüfen: Beide Ansätze scheitern an doppelten oder veralteten Stammdaten. Wie man das angeht, zeigt unser Beitrag zur Datenbereinigung mit KI.
  5. Pilot statt Großprojekt: Ein Pilot über zwei bis vier Wochen zeigt mit echten Daten, ob der Ansatz trägt.

Häufige Fragen

Ersetzt ein KI-Agent RPA? Nicht vollständig. Für streng regelbasierte, immer gleiche Schritte bleibt RPA oder eine einfache Regel-Automatisierung oft die günstigere und berechenbarere Lösung. KI-Agenten übernehmen die Teile, bei denen etwas verstanden oder abgewogen werden muss.

Ist ein KI-Agent teurer als RPA? Das hängt vom Ablauf ab. RPA-Plattformen kosten meist Lizenzgebühren plus Einrichtung. Bei einem KI-Agenten zahlst du Einrichtung, Betrieb und Modellkosten. Bei aiworx startet der Pilot ab 2.500 € und der Betrieb ab 250 € im Monat, jeweils netto.

Wie sicher ist ein KI-Agent im Vergleich zu RPA? RPA liefert bei gleicher Eingabe immer dasselbe Ergebnis. Ein KI-Agent braucht deshalb Prüfregeln, Freigaben und ein Protokoll jedes Schritts. Gut gebaut ist er nachvollziehbar und meldet unsichere Fälle, statt sie durchzuwinken.

Kann ich bestehende RPA-Bots mit KI erweitern? Ja. Häufig liest ein KI-Agent die Eingaben, zum Beispiel E-Mails oder PDFs, und übergibt strukturierte Daten an den bestehenden Bot, der sie wie gewohnt verarbeitet.

Was ist der Unterschied zwischen Zapier und einem KI-Agenten? Zapier und Make verbinden Programme nach festen Regeln. Ein KI-Agent versteht zusätzlich Inhalte und kann innerhalb deiner Regeln entscheiden. Wo feste Regeln reichen, ist Zapier oft die einfachste Lösung.

Du bist unsicher, ob dein Ablauf eher nach RPA oder nach KI-Agent verlangt? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir ihn gemeinsam an und sagen dir ehrlich, was passt.

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